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“Pas de Deux”
VON Claudia Toggweiler

Anleitung zum Besuch

24/7 VISIBLE @Birmensdorferstrasse 108 / 8003 Zürich ✨

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Einführung in die Ausstellung:

Die Bilder-Serie porträtiert die Principal Dancers des Dutch National Ballet, Anna Ol und James Stout, in einem Pas de deux zu Erik Saties «Gnossienne». Entstanden während einer Gala-Performance ohne Wiederholung, fangen die Bilder das ephemere Zusammenspiel von Tanz, Licht und Emotion ein – als visuelle Übersetzung der Musik in poetische Bewegung.

Alles Kompakt im Magazine N°21

Wie bist Du aufgewachsEN?

Ich bin mit meiner Familie in einem Zürcher Vorort aufgewachsen. Nach meinem Sekundarschul-Abschluss zog ich nach Monaco in ein Mädcheninternat, um dort meine Ballettausbildung fortzuführen.


Die Welt ist multikulti, deshalb interessiert mich: Was hast Du für Wurzeln?

Gemäss DNA Test bin ich zu 81% Mitteleuropäerin, zu 10% Griechin und zu 8% Italienerin ;-)


Was macht Dich als Person aus?

Ich denke «out of the box», tanze oft aus der Reihe und bin wohl eine der wenigen Schweizerinnen, die gerne auf Käse und Skifahren verzichten ;-)


Was fällt Dir schwer zuzugeben?

Ich habe absolut kein Talent fürs Zeichnen. Bei mir sieht sogar ein Hund nach einem Elefanten aus.


Erzähl mir was, das fast niemand über Dich weiss?

Um produktiv zu sein, muss ich mir die Haare zusammenbinden. Da drückt wohl die «Déformation professionnelle» durch und scheint ein Überbleibsel meiner Zeit als Tänzerin zu sein.


Was ist Dein grösster Widerspruch?

Ich wirke ziemlich entspannt, aber in meinem Kopf laufen meistens 27 Tabs gleichzeitig.


gibt es einen «Running Gag» Dich betreffend?

Claudia «on coffee»! Meistens spreche ich dann in zweifacher Geschwindigkeit und springe von einem zu fünf weiteren Themen in drei Sekunden.


Was ist eine Marotte von Dir?

Ich habe am Laptop immer an die 30 Tabs offen in drei verschiedenen Browsern. Und bei meinem Smartphone steigt die Zahl der offenen Tabs ins Unermessliche ;-)


Hast Du ein (geheimes) Talent, das mit blossem Auge nicht erkennbar ist?

In einer fremden Stadt finde ich erstaunlich schnell die wichtigsten (sub)kulturellen Hotspots, ganz ohne Karte. Dafür scheine ich einen sechsten Sinn zu haben.


Wie triffst Du Entscheidungen?

Aus dem Bauch heraus. Zum Glück stimmt meine Intuition in den meisten Fällen.


Was ist Dein wertvollster Besitz?

Meine Glückskatze, auch wenn man ein Haustier natürlich nicht wirklich als „Besitz“ bezeichnen kann. Sie ist für mich viel mehr als das 🐱


Wie tankst Du Energie?

Still an meinem Rückzugsort oder gute Gespräche in spannender Gesellschaft.


Welche Sprachen sprichst Du?

Deutsch, Französisch, Englisch und basic Italienisch.


Worauf bist Du (heimlich) stolz?

Darauf, dass ich schnell auf eigenen Beinen stehen musste und nach Krisen immer wieder das Positive sehe.


Was ist das Spontanste, dass Du je gemacht hast?

Nach zwei Monaten Beziehung fragte ich meinen damaligen Freund und heutigen Mann, ob wir zusammenziehen wollen.


Wie viele Pflanzen hast Du?

In der Wohnung sind es aktuell 18 Zimmerpflanzen. Es gibt noch Luft nach oben. Auf dem Balkon variiert die Anzahl je nach Jahreszeit.


Wie viele Tattoos hast Du?

Zero.


Wie würdest Du Deinen beruflichen Kontext beschreiben?

Beruflich bewege ich mich zwischen Ballettsaal, Hochschule und Theater. Ich coache, fotografiere, leite, unterrichte und begleite Menschen in ihrer künstlerischen Entwicklung. Vielseitig, kreativ und definitiv nie langweilig.


Dein Werdegang ist beeindruckend. Du bist Kulturmanagerin, Mentorin, Ballettlehrerin und Tanzfotografin. Hast Du weitere Projekte, auf welche Du hier aufmerksam machen möchtest?

Während der Pandemie entstand gemeinsam mit meinem Mann «THE BALLET PIANIST». Was ursprünglich nur als Überbrückung gedacht war, entwickelte sich schon bald zum Selbstläufer. Heute umfasst das Projekt bereits 10 Alben an Ballettmusik, die wir anfangs in unserem Wohnzimmer produzierten und erreicht monatlich bis zu 50’000 Hörer:innen aus der ganzen Welt.


Dein Studium hast Du an der «Académie de danse classique Princesse Grace» in Monaco absolviert. Wie war diese Lebensphase? Gibt es eine spannende Anekdote dazu? Wie hast Du Monaco erlebt?

Wenn ich heute an diese Zeit zurückdenke, erscheint sie mir beinahe surreal. Im Ballettinternat lebten 40 Mädchen im Alter von 14 bis 18 Jahren unter einem sehr strukturierten Regime. Um 20:30 Uhr mussten wir jeden Abend zurück sein, auch am Wochenende. Wir waren quasi eingesperrt und hatten ein einziges Telefon, um Anrufe zu empfangen sowie ein Münztelefon für ausgehende Gespräche. Ein eigenes Handy besass damals noch niemand. Und abends war der Fernseher eigentlich immer von den Italienerinnen besetzt.

Gerade weil wir so abgeschottet lebten, entstanden Freundschaften fürs Leben. Wir waren füreinander Familienersatz, teilten unseren Alltag und gingen gemeinsam durch dick und dünn. Vom glamourösen Monaco selbst bekamen wir dabei gar nicht so viel mit. Ausser, wenn wir für besondere Anlässe wie den Rotkreuz-Ball oder den «Bal de la Rose» ausgewählt wurden, um für die Fürstenfamilie zu tanzen.


Wie entstand die Liebe zum Ballett?

Meine ältere Schwester bekam aufgrund starker Rückenschmerzen von ihrem Arzt den Rat, mit Ballett zu beginnen. Ich war damals drei Jahre alt, schaute ihr beim Tanzen zu und wusste sofort: Das möchte ich auch! Ein Jahr musste ich mich noch gedulden, bis ich endlich alt genug für das Kinderballett war. Seitdem begleitet mich die Liebe zum klassischen Tanz durch mein Leben.


Wie bist Du zur Fotografie gekommen?

Als Tänzerin und später Pädagogin kam ich wiederholt in Kontakt mit primär männlichen Fotografen, welche die Welt des Balletts porträtieren wollten. Obwohl die Komposition bei den meisten Bildern stimmte, gelang es ihnen oftmals nicht den Höhepunkt des Sprungs oder die Vollendung der Pose mit ihrer Kamera festzuhalten, da sie dafür die nötigen Ballett-Kenntnisse nicht hatten. Als ehemalige Tänzerin bin ich da ganz klar im Vorteil und kann Bewegungen oder Choreografien antizipieren. Das sorgt dafür, dass auch die Tanzschaffenden Gefallen an den Bildern haben und diese bspw. für ihre nächste Bewerbung für ein Vortanzen nutzen können.


Wie ist Dein kreativer Prozess? Wie gehst Du vor?

Bevor ich die Vorstellung einer Tanzkompanie fotografiere, recherchiere ich den Choreografen, sein Schrittmaterial und natürlich die Tänzer:innen des Ensembles. Ich schaue mir Videos früherer Produktionen an, sodass die Künstler:innen, die ich fotografieren werde, keine Fremden mehr sind, sondern ich bereits eine Verbindung zu ihnen aufgebaut habe.

Am Tag der Vorstellung betrete ich das Theater lange vor den Technikern, um den Raum auf mich wirken zu lassen und die perfekten Standorte zu finden.

Wenn die Vorstellung beginnt, bin ich bereits vollständig in die Theaterwelt eingetaucht und warte nur noch darauf, den perfekten Moment mit meiner Linse festzuhalten. Normalerweise mache ich nur sehr wenige Aufnahmen, weil ich spüre, wann eine Bewegung ihren Höhepunkt erreicht und der richtige Moment für das perfekte Bild gekommen ist.

Tanzfotografie ist für mich die Königskunst der Fotografie: Bewegung, Licht und Formation verändern sich ständig. Bei dieser vergänglichen Kunstform gibt es nur diesen einen Augenblick, in dem alles zusammenkommt. Demnach hat man nur eine Chance, ihn festzuhalten.

Dies ist auch der Grund, weshalb meine Nachbearbeitung der Fotos praktisch inexistent ist. Im Theater ist das Setting bereits perfekt: Das Licht stimmt, alles ist bis ins Detail geprobt und die Inszenierung selbst liefert bereits die perfekte Grundlage für das Bild.


Was bedeutet für Dich Kreativität?

Sie entsteht für mich dort, wo Neugier, Intuition und der Mut zusammenkommen, etwas auszuprobieren, das vielleicht noch niemand zuvor gemacht hat.

Kreativität heisst aber nicht unbedingt, ständig etwas völlig Neues zu erfinden. Oft geht es vielmehr darum, Bestehendes neu zu kombinieren, einen anderen Blickwinkel einzunehmen oder aus einer schwierigen Situation etwas Positives entstehen zu lassen. Gerade darin liegt für mich etwas unglaublich Befreiendes: Es gibt selten nur einen richtigen Weg.

Und vielleicht ist Kreativität für mich deshalb auch eine Lebenseinstellung. Sie bedeutet, offen zu bleiben, Fragen zu stellen, sich überraschen zu lassen und den Mut zu haben, manchmal bewusst vom vorgegebenen Weg abzuweichen.


Seit wann lebst Du von der Kunst?

Ich gehöre zu den Glücklichen: Ich lebe schon mein ganzes Leben von der Kunst, wenn auch in ganz unterschiedlichen Formen.


Wie erlebst Du Deinen beruflichen Alltag in der WElt der Künste?

Über die Jahre habe ich mir ein grosses Netzwerk aufgebaut und dabei Künstler:innen aus ganz unterschiedlichen Sparten (Fotografie, Film, Musik, Tanz etc.) miteinander verbunden. Mein Berufsalltag besteht darin, ständig von einem Bereich in den nächsten zu springen. Ich empfinde es als sehr bereichernd, mich in unterschiedlichen künstlerischen Welten zu bewegen, ihre Perspektiven miteinander zu verbinden und daraus neue Synergien entstehen zu lassen.


Wie war es für Dich, als Du Deine erste Fotografie verkauft hast?

Das weiss noch genau, denn es war kein grosser Auftrag, kein Galerist, kein Champagner, aber trotzdem ein sehr wichtiger Moment. Ich hatte eine junge Ballett-Tänzerin fotografiert und jemandem eines der Bilder gezeigt. Die Person war so davon begeistert, dass sie es sofort erwerben wollte. Zum ersten Mal wurde aus meiner Leidenschaft etwas, das auch für andere einen Wert hatte. Und die junge Tänzerin tanzt heute in einer der bekanntesten Ballettkompanien der Welt. Vielleicht war dieses erste verkaufte Bild also tatsächlich eine kleine fotografische Vorahnung ;-)


Was gibt es über Deine aktuelle Serie/Ausstellung im FENSTER DER MÖGLICHKEITEN zu berichten?

Meine Ausstellung trägt den Titel «Pas de deux» und ist für mich eine ganz besondere Arbeit, weil sie einen einzigartigen Moment festhält: Die allerletzte Vorstellung des kanadisch-englischen Balletttänzers, James Stout, nach mehr als 24 Jahren auf der Bühne. Gemeinsam mit Anna Ol, der ersten Solistin des Dutch National Ballet, tanzte er zu «Gnossienne» des Komponisten Erik Satie. Es war ein Pas de deux, also ein Tanz zu zweit, voller Melancholie, Nähe und Anmut, aber gleichzeitig ein Abschied. Nach dieser Vorstellung endete für James Stout eine lange Karriere, die ihn vom Corps de Ballet Tänzer bis zum Principal Dancer des Dutch National Ballet geführt hatte.

Die Fotografien entstanden live während der Gala-Vorstellung «Homage to Ballet», ohne Wiederholung und ohne die Möglichkeit, den Moment noch einmal einzufangen. Genau das fasziniert mich an der Ballettfotografie: Ein Augenblick, der nur einen Bruchteil einer Sekunde existiert, kann in einem Bild plötzlich zeitlos werden.

Ich möchte nicht nur Tanzbewegungen dokumentieren, sondern mich interessiert vielmehr der Moment, in dem Musik, Körper, Licht und Emotion miteinander verschmelzen. In meiner Bildserie «Pas de deux» versuche ich, die Musik von Satie sichtbar zu machen: In der berührenden Choreografie von Hans van Manen, in den Linien und Spannungen der Körper, im Zusammenspiel der Tänzer sowie im Wechsel von Licht und Schatten.

Vielleicht ist es gerade die Verbindung von Schönheit und Vergänglichkeit, die diese Bilder für mich so berührend machen. Tanz ist die Kunst, für einen Augenblick vollkommen zu sein und im nächsten wieder loszulassen. Bei James Stouts letztem Auftritt bekam dieser flüchtige Moment eine zusätzliche Bedeutung: Es war nicht nur ein Pas de deux, sondern zugleich sein letzter Tanz.

Meine Bilder sollen eine Hommage an die Magie des Augenblicks sein. An jenen Moment, in dem alles eins wird: Musik, Bewegung und Emotion.


Welche Kreativschaffenden haben Dein kreatives Tun nennenswert beeinflusst?

Caravaggio ist für mich der Meister des Lichts. Er hat Licht nicht einfach eingesetzt, sondern es regelrecht zum Protagonisten seiner Bilder gemacht. Dieses Spiel zwischen Licht und Dunkel fasziniert mich bis heute.

Sebastião Salgado beeindruckt mich durch seinen einzigartigen Umgang mit Kontrasten sowie seiner kraftvollen Schwarz-Weiss-Fotografie. Seine Bilder haben eine unglaubliche Tiefe und erzählen Geschichten, ohne dass sie Worte brauchen.

Christian Schüller begeistert mich, weil er gemeinsam mit seiner Frau unglaubliche Inszenierungen erschafft. Seine Bilder sind für mich wie kleine Bühnenwelten, in denen jedes Detail seinen Platz findet.


Welche:n Künstler:in tot oder lebendig würdest Du zum Essen einladen?

Oh, die Entscheidung ist nicht einfach. Darf ich drei verschiedene Künstler:innen einladen?

  • Marina Abramovic um mehr über den «Great Wall Walk» mit ihrem Lebensgefährten Ulay zu erfahren und sie zu fragen, ob ihre Aussage immer noch zutrifft, dass ihre Kunst nur 5% ausmacht und der Rest gutes Marketing ist.

  • Yayoi Kusama würde ich gerne fragen, wie sie sich vom traditionellen japanischen Denken gelöst hat und nach New York ging, um dort ihre völlig eigene, radikale Kunst zu entwickeln 🎃

  • Banksy würde ich stundenlang über sein Dismaland befragen, diesen genialen, absurden Gegenentwurf zum klassischen Vergnügungspark, den ich leider verpasst habe. Ich würde mit ihm darüber reden, warum er Kunst genau dort platziert, wo man sie am wenigsten erwartet und wie viel Provokation eine gute Idee eigentlich braucht 🎈


Was würdest Du kochen?

Ich schätze, das Essen wäre eher nebensächlich. Wenn sich die Gespräche um Unendlichkeit, Anarchie und all die grossen Fragen des Lebens drehen, muss vor allem guter Wein im Spiel sein ;-)


Hast Du Ausstellungsgeheimtipps oder ein Kollektiv/Artist, den Du pushen möchtest?

Ich bin Mitglied des «same kollektivs», einer Schweizer Community für Fotografinnen, die sich für mehr Sichtbarkeit und ein stärkeres Miteinander in der Branche einsetzen. Wir vernetzen uns, teilen Wissen und schaffen Raum für Austausch und gegenseitigen Support.

Ansonsten trifft man mich in Zürich ziemlich oft in der Photobastei oder an einer Vernissage in der Bildhalle. Ein Städtetrip nach Basel ohne einen Besuch in der Fondation Beyeler ist für mich keine Option.


Was ist total überbewertet?
(Bspw. MatchaaAhhhh)

Matcha definitiv, Protein-Shakes, Vitamin-Wasser, Brian Johnson und der Longevity Trend ;-)


Was ist total unterbewertet?

Ikigai – Einen persönlichen Lebenssinn zu haben und etwas zu finden, das einem wirklich Freude und Erfüllung gibt.


Hast Du ein Guilty Pleasure?

Die Serie Silo ist mein Guilty Pleasure, weil ich dystopische Welten, Geheimnisse und Verschwörungstheorien einfach nicht widerstehen kann.


Was darf in Deiner Küche nicht fehlen?

Zwiebeln.


Welches ist Dein Lieblingsglace?

Ich schwanke zwischen Fleur de Sel und Fior di Latte. Je nach Tagesform ;-)


Welche Superkraft würdest Du Dir aussuchen?

Winterschlaf ;-)


Im welchem Moment fühlst Du Dich richtig erwachsen?

Wenn ich merke, dass Erwachsensein weniger damit zu tun hat, alles im Griff zu haben, sondern damit, mit dem Ungeplanten umgehen zu können.


Hattest Du einmal unsäglich viel Glück?

Früher hatte ich oft Glück im Spiel und habe andauernd Sachen gewonnen wie z.B. Wellness-Wochenenden, Kaffeemaschinen und sogar ein Rennrad. Heute habe ich Glück in der Liebe ♥️


Was war der seltsamste Ort, an welchem Du jemals gewesen bist?

Während meiner Japanreise vor einigen Jahren sind wir auf verlassene Casinos gestossen, die teilweise bereits von der Natur zurückerobert wurden. Ich fand diesen Kontrast unglaublich surreal und faszinierend: Gebäude, die einst dem menschlichen Bedürfnis nach Unterhaltung und Nervenkitzel dienten, werden heute von Bäumen und Pflanzen überwuchert. Es wirkt fast so, als würde sich die Natur still und geduldig zurückholen, was der Mensch einst für sich beansprucht hat. Dieser Gegensatz zwischen menschlichem Grössenwahn und der Kraft der Natur ist mir bis heute geblieben.


Welches Kompliment vergisst Du nicht?

Ich wurde schon mehrmals gefragt, wo ich ursprünglich herkomme, weil ich angeblich zu „untypisch“ für eine Schweizerin sei und so gar nicht dem klassischen Schweizer Klischee entspreche. Ich hoffe einfach, das war als Kompliment gemeint. Quasi: Zu wenig Bünzli und definitiv nicht 08/15 ;-)


Wo hast Du Deinen Partner kennengelernt?

Ganz unspektakulär bei der Arbeit ;-)


Was schätzt Du an Deinem Partner ganz besonders?

Neben seinem Verständnis für Kunst schätze ich seinen Humor, seine Neugierde und seinen Intellekt am meisten.


Hast Du von Anfang an diese kreative Power-Couple-Energie gespürt?

Nein, wir waren zunächst fast ein Jahr lang einfach nur befreundet, bevor sich daraus mehr entwickelte. Zwei Monate vor dem ersten Lockdown sind wir zusammengezogen und wussten schnell, dass diese Extremsituation uns als Paar entweder zusammenschweissen oder unsere Beziehung daran zerbrechen würde.


Wie habt ihr während Corona, wo ohnehin mehr zu Hause stattfand und ihr dabei gemeinsam gearbeitet habt, Arbeit und Privat getrennt sowie Raum für Euch selbst gefunden? Was denkst Du war Euer Schlüssel zum Erfolg?

Hmm, wir wohnten damals in Wipkingen in einer 50 m² grossen Altbauwohnung – zusammen mit unseren beiden Katzen. Wir teilten uns die Wohnung kurzerhand in unsere jeweiligen Arbeitswelten auf: Ich arbeitete vom Wohnzimmer aus, während mein Mann aus dem Büro Klavierkonzerte streamte. Da viele unserer Projekte abgesagt werden mussten, hatten wir plötzlich Zeit, gemeinsam zu brainstormen und neue Ideen zu entwickeln. So entstand schliesslich unser Projekt «The Ballet Pianist». Rückblickend ist es schön zu sehen, dass aus einer so herausfordernden Zeit etwas Kreatives und Nachhaltiges entstehen konnte.

Bei uns gibt es bis heute kaum eine klare Trennung zwischen Arbeit und Privatleben. Wir brennen beide für die Kunst und sie begleitet uns rund um die Uhr. Das kann manchmal herausfordernd sein, ist für uns aber vor allem ein grosses Glück, weil wir unsere Leidenschaft miteinander teilen können.

#WorkLoveBalance


Welches Zitat oder Sprichwort bewegt Dich?

«A work of art which did not begin in emotion is not art.» - Paul Cézanne


Welcher Podcast, Buch oder Film haut Dich vollkommen weg?

Auf meinem Nachttisch liegt das Buch «Tal der Schwalben» mit persönlicher Widmung von Seraina Kobler. Ich freue mich darauf, dieses in den Herbstferien zu lesen.

Ein Film, der mich auch nach vielen Jahren immer wieder zum Lachen bringt, ist “What We Do in the Shadows” der neuseeländischen Regisseure Jemaine Clement und Taika Waititi.


Wann und wo hast Du Deine letzte Sternschnuppe gesehen?

Wenn immer möglich versuche ich im August die Perseiden zu beobachten. So auch diesen Sommer von unserem Balkon aus.


Welches Tabuthema sollte aufgebrochen werden? Wie würdest Du vorgehen, wenn Du die Mittel dazu hättest?

Der Tod gehört zum Leben und trotzdem sprechen wir kaum darüber. In unserer Gesellschaft gibt es beinahe eine unausgesprochene „Haltbarkeitsdauer“ für Trauer: Eine gewisse Zeit ist sie akzeptiert, danach sollte man bitte wieder funktionieren. Dabei ist Trauer etwas zutiefst Individuelles und lässt sich weder planen noch zeitlich begrenzen. Jamie Anderson sagte sehr treffend: «Grief is just love with no place to go».

Ich wünsche mir deshalb, dass wir schon mit Kindern und Jugendlichen offener über Tod, Abschied und Trauer sprechen. Vielleicht in Form eines Workshops, in dem Raum für Fragen, Ängste und persönliche Erfahrungen geschaffen werden. Denn je weniger wir den Tod zum Tabu machen, desto weniger müssen wir uns davor fürchten und desto bewusster können wir vielleicht leben.


Wie baust Du Nachhaltigkeit in Deinen Alltag ein?

Dank meines GA komme ich in der Schweiz fast überall mit dem ÖV hin. Unseren Balkon haben wir in einen ganzjährigen Garten/Wintergarten verwandelt und bauen dort unser eigenes Obst und Gemüse an. Ausserdem hat meine Schwester einen Bio-Bauernhof, von dem wir viele leckere Produkte beziehen dürfen.


Wen möchtest Du hier promoten?

Ich möchte meinen Mann Mladen Dabizljevic ins Rampenlicht rücken 🎹

Er ist ein aussergewöhnlich talentierter Pianist und Komponist mit absolutem Gehör und einer ganz besonderen Begabung für Musik. Man kann ihm eine Melodie vorsingen und er spielt sie praktisch 1:1 auf dem Klavier nach – deshalb nenne ich ihn manchmal meine Human Jukebox ;-)

Aber seine eigentliche Stärke liegt für mich woanders: Mladen hört nicht nur Musik, er fühlt sie. Und er hat die besondere Fähigkeit, dieses Gefühl in seine eigene Musik zu übersetzen. Seine Kompositionen können etwas in einem auslösen, für das man selbst keine Worte findet.

Vielleicht bewundere ich genau das am meisten an ihm: Dass er eine ganz eigene musikalische Sprache hat. Ich wünsche mir, dass diese Sprache noch viel mehr Menschen erreicht.


Welche Lebens-Entscheidung hat Dich rückblickend am meisten überrascht?

Ich hatte 2015 die Option für ein Jahr nach New York zu ziehen und habe mich dagegen entschieden, weil es sich nicht richtig angefühlt hat.


Willst Du mich was fragen? ⬇️⬇️⬇️

Claudia:
Wirkt klassisches Ballett auf Dich verstaubt und teilst Du die Meinung von Timothée Chalamet, dass es sich um eine aussterbende Kunstform handelt?

Zina:

Für mich ist Ballett eine von anmutiger Eleganz erfüllte Bewegungsform umhüllt von Präzision. Zeitlos, schweigend und doch laut voller Ausdruck. Der Tanz strahlt für mich Perfektion, Fleiss, Ruhe, Ordnung, Leidenschaft und Grazie aus. Es ist ein Genuss für diejenigen, welche die Sprache verstehen.

Und es muss auch nicht immer traditionell sein. Es gibt auch Aufführungen, wobei die Geschlechterrollen aufgebrochen werden und Männer “on point” tanzen. Die New Yorker Ballettkompanie “Les Ballets Trockadero de Monte Carlo” ist eines der Beispiele, welche ab 1974 in renommierten und etablierten Theater auftraten und international auf Tour gingen resp. es heute noch tun.

Fazit: Ballett ist zu GROSSartig um auszusterben! Sorry Timothée, you just don’t get it ;) Und dass Ballett kein Opfer des Mainstreams ist, hat meines Erachtens definitiv Vorteile.


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